Ev. luth. St. Martinskirchengemeinden | Adenstedter Str. 4 | 31185 Hoheneggelsen | Tel: (05129) 359

Hört auf das Wort

Konfirmation/17.4.2016  Jesus ist die Antwort   HO   

DER GOTT DES LEBENS SEI MIT EUCH ALLEN. AMEN.

Liebe Konfirmationsgemeinde!

Ich liebe Hamburg, besonders St. Pauli.

Nicht nur den Fußballclub, sondern auch den Stadtteil.

Dort ist es bunt und pulsierend, aber auch dreckig und laut.

Es gibt viele Obdachlose, Prostituierte und Drogenabhängige, aber auch Hipster, Künstler und Familien sind dort unterwegs, Punks genauso wie Neonazis.

Und oft ist auch einfach alles gemischt.

Und mitten auf dem Kiez, also auf der Reeperbahn, mitten im Rotlichtviertel also, da steht eine graue Mauer, darauf hat jemand einen Spruch gesprüht.

Nicht besonders groß, nicht besonders künstlerisch, eigentlich nur ein Schriftzug:

„Jesus ist die Antwort“, steht da in fetten roten Buchstaben.

Einfach so, mitten im chaotischen, lauten, lebendigen St. Pauli.

Noch viel besser aber ist, was etwas kleiner in schwarz von jemand anderen drunter geschrieben wurde, nämlich:

„Was sind die Fragen?“


Jesus ist die Antwort.

Was sind die Fragen?


Ich behaupte:

Wir Menschen haben viel Fragen.

Ihr zum Beispiel, liebe Eltern, Großeltern und Paten.

Ihr fragt euch heute – zumindest heimlich -, wo die Jahre geblieben sind

und wie schnell die Zeit vergeht:

die Geburt und der erste Schrei,

das Wunder des Lebens im Arm gehalten,

Krabbeln und Laufen-Lernen,

die Tränen nach den ersten Stürzen,

kleine Wunden und großes Glück.

War das nicht erst gestern:

Dass ihr plötzlich ein Kindergartenkind hattet und kurz darauf schon die Schule begann?


Und dass die Schritte der Kleinen immer größer wurden und immer weiter weg von Zuhause?

Weil das Leben voranschreitet und wir die Zeit eben nicht zurückdrehen können – so gerne wir das manchmal möchten.

Und nun sitzen sie hier, sind längst schon keine Kinder mehr, sind Persönlichkeiten, die sich entwickeln, und das eigene Leben suchen.

Aber auch da haben wir Erwachsenen viele Fragen:

Was wird werden?

Welche Wege werden unsere Kinder gehen?

Schulabschluss und Berufsentscheidung,

und wie es mit der Liebe sein wird,

und wie überhaupt die Wege verlaufen für diese Konfirmanden auf der Suche nach dem Glück und der Welt von morgen.

Das und vieles mehr sind eure Fragen.


In Hamburg auf St. Pauli steht:

Jesus ist die Antwort.

Und genau so ist es auch. Und ich sage das nicht, weil ich Pastor bin, sondern weil ich das einfach als Christ erfahren habe und immer wieder erlebe.

Jesus ist die Antwort.

Nennt es nicht Zufall oder Schicksal oder Glück oder Pech.

An Jesus kann ich mich orientieren, wenn ich Fragen habe.

Er gibt mir Antwort, wenn ich unsicher bin oder der klare Blick verstellt.

Er ist Weg und Wahrheit und Leben.

Der einzige Weg, der in Wahrheit zum Leben führt.

Und wenn wir heute nun zu ihm kommen als Erwachsene

– in meiner Vorstellung sitze ich immer mit ihm am Lagerfeuer bei Brot und Wein –

und wir stellen unsere Fragen über uns selbst und über unsere Kinder,

dann wäre seine Antwort:

habt keine Angst, ihr Großen,

das Leben ist nicht einfach wie ihr wisst,

aber diese Mädchen und Jungen sind in meines Vaters, sie sind also in Gottes Hand.

Sie sind mit dem Wasser des Lebens getauft, sie werden konfirmiert heute,

sie sind gesegnet also mit allen Strömen der Liebe des Himmels.

Keine Angst!

Lasst sie los in aller Freiheit, damit sie die Erfahrungen des Lebens nun mehr und mehr selber machen.

Habt Vertrauen!

In eure Kinder, die wertvoll und gut sind und ihre Wege gehen werden.

Habt Vertrauen in euch selbst: in all das, was ihr als Eltern und Paten und Familie ihnen mitgegeben habt.

Vor allem aber:

Vertraut Gottes Segen, der ist stärker als alle Stürme des Lebens.


Das, liebe Eltern, sagt Jesus heute,

er ist die Antwort,

weil er Weg, Wahrheit und Leben für uns alle ist.








Liebe Konfirmandinnen und Konfirmanden!

Jesus ist die Antwort.

Was sind die Fragen?

Ihr habt viele Fragen – und das ist gut so und zeichnet euch aus.

Und im Konfir habt ihr als richtig tolle Gruppe schon manches Mal so richtig penetrant gefragt. Und das war gut so und wir hatten spannende Diskussionen.

Und ich danke euch heute ausdrücklich für die schöne gemeinsame Zeit: die Freizeiten, den Unterricht, die Gottesdienste und Begegnungen.

Aber ich hoffe für euch, dass eure Fragen auch in Zukunft niemals aufhören werden.

Das wird vermutlich auch nicht passieren, denn das habt ihr uns ja eindrücklich ans Herz gelegt in eurem coolen Vorstellungsgottesdienst.

Ihr habt das so ausgedrückt:

Wir sind Suchende.

Wir suchen Antworten auf die großen Fragen, die uns das Leben stellt.

Gemeinsam sind wir auf dem Weg,

wir tasten, schauen, hören, ahnen immer mehr als wir wirklich wissen.

Wir sammeln Augenblicke und Erlebnisse,

sammeln Begegnungen mit Menschen,

sammeln Sonnenuntergänge und Sternennächte,

sammeln all die Geheimnisse,  

die wundervollen und manchmal erschreckenden Erfahrungen mit dem, was wir das Heilige nennen, mit Gott also.

Besser kann ich das auch nicht sagen.

Und so wünsche ich euch:

- dass ihr euren Weg durchs Leben geht,

- dass die Sehnsucht nach Neuem euch immer vorantreibt auf der Suche nach der Stadt von morgen;

- dass ihr immer wieder den Ruf des Adlers hört, also die Stimme Jesu Christi, die euch Zeichen und Signale gibt für die richtigen Entscheidungen.

Ich wünsche euch mit eurem Konfi-Lied, dass ihr alle Masken und alle Schminke durchschaut, und all die Leute, die nicht echt sind und nur dumme Rollen spielen;

- dass ihr immer wieder den Zug der Hoffnung nehmt und das wahre, richtige Leben sucht;

- dass ihr Freunde und Partner findet, die euch zuhören und euch auch dann ertragen, wenn ihr euch verändert.

Ich wünsche euch, dass ihr weiter fragt und sucht und auf die grauen Mauern achtet, worauf steht:

Jesus ist die Antwort.

Wenn ihr wirklich und von Herzen fragt, dann wird ER euch den Weg zeigen, der in Wahrheit zum Leben führt.

Er trägt und hält und schützt euch mit seinem Segen, den ich euch heute weitergeben darf.


Am Ende, jetzt da eure Konfirmandenzeit zu Ende ist, ein Letztes noch.

In der Kirche, im Pfarrhaus, bei den vielen engagierten Christen findet ihr immer ein offenes Haus und offene Ohren.

Oder um es auch mit einem Lied zu sagen:

Ruf mich an, wenn Du die Schnauze voll hast.

Komm vorbei, wenn Du nicht weißt wohin.

Reich mir Deine Hand, wenn Hände selten

und Worte überflüssig sind:

über dir - über mir - dieselben Sterne…

Ihr wisst schon, was ich meine… AMEN.